Was PISA 2025 für die Grundschule bedeutet
Deutschland erreicht in Mathematik den niedrigsten je gemessenen Wert, ein Drittel der Fünfzehnjährigen verfehlt das Mindestniveau. Was hinter den Zahlen steckt und welche Folgerungen sich für den Unterricht in Klasse 1 bis 6 ziehen lassen.
Am 8. September 2026 hat die OECD die Ergebnisse von PISA 2025 veröffentlicht. Deutschland erreicht in Mathematik 464 Punkte, den niedrigsten Wert, der hier je in PISA gemessen wurde. 34 Prozent der Fünfzehnjährigen bleiben unter Kompetenzstufe 2; 2022 waren es 30 Prozent, gegenüber 2015 ist dieser Anteil um 17 Prozentpunkte gestiegen. Der Mathematikmittelwert aller OECD-Staaten ist im selben Zeitraum von 472 auf 463 Punkte gefallen.
Getestet werden Fünfzehnjährige. Die Grundlagen, die dabei geprüft werden, entstehen Jahre vorher. Wir haben die Befunde daraufhin durchgesehen, was sie für den Unterricht in den Klassen 1 bis 6 bedeuten, und wie MatheZeit darauf antwortet.
Was Kompetenzstufe 2 verlangt
Die Schwelle, die ein Drittel der Jugendlichen nicht erreicht, wird oft für Grundrechnen gehalten. Die OECD beschreibt sie anders: Auf Stufe 2 erkennen Jugendliche ohne ausdrückliche Anleitung, wie sich eine einfache Situation mathematisch darstellen lässt, etwa die Gesamtlänge zweier Wege vergleichen oder Preise in eine andere Währung umrechnen.
Geprüft wird damit das Übersetzen zwischen einer Situation und einer Rechnung. Wer diese Schwelle verfehlt, beherrscht das Rechenverfahren oft, kann es aber nicht anwenden. Genau dafür sind die MatheZeiten gebaut: Das Kind handelt an einer Sache, an einem Kiosk, einer Uhr, einem Bauplan oder einem Maßstab, und die Rechnung entsteht aus der Handlung. Ein Arbeitsblatt am Bildschirm übt das Ergebnis, dieser Aufbau den Weg dorthin.

Gewachsen ist die Gruppe am unteren Ende
In Deutschland hat sich der Abstand zwischen den leistungsstärksten und den leistungsschwächsten zehn Prozent zwischen 2022 und 2025 nicht signifikant verändert. Gesunken ist das gesamte Feld, gewachsen ist der Anteil unterhalb des Mindestniveaus. Die Zahl der besonders leistungsstarken Jugendlichen liegt in Deutschland weiterhin über dem OECD-Durchschnitt. Der Handlungsbedarf liegt damit bei den Grundlagen, nicht an der Spitze.
Die Herkunft wiegt in Deutschland schwerer als anderswo
In Deutschland erklärt der sozioökonomische Status 19 Prozent der Leistungsunterschiede, im OECD-Mittel sind es 12. Zwischen dem obersten und dem untersten Viertel liegen 125 Punkte gegenüber 85 im OECD-Durchschnitt. Dieser Abstand ist seit 2015 gewachsen, während er international kleiner geworden ist. Beide Werte weist die OECD an der Hauptdomäne Naturwissenschaften aus.
Förderung, die zusätzlich bezahlt werden muss, erreicht die Kinder nicht, um die es dabei geht. Sie muss im Unterricht stattfinden. MatheZeit läuft deshalb in der Mathematikstunde, ist für die Kinder kostenfrei und kommt ohne Konto der Eltern aus. Die Kinder melden sich mit einem Klassencode an.
Die Lücken entstehen vor der Sekundarstufe
Der IQB-Bildungstrend 2021 hat am Ende der vierten Jahrgangsstufe gemessen. Rund 22 Prozent der Kinder lagen dort unter dem Mindeststandard Mathematik, sechs bis acht Prozentpunkte mehr als 2016. Was PISA bei den Fünfzehnjährigen sichtbar macht, ist zu diesem Zeitpunkt in vielen Fällen bereits angelegt. MatheZeit deckt die Jahrgangsstufen 1 bis 6 ab und arbeitet daran, dass Lücken in den Grundlagen gar nicht erst auflaufen.
Dass sich daran etwas ändern lässt, zeigt Peru. Zwischen 2012 und 2022 sank dort der Anteil der Jugendlichen unter Kompetenzstufe 2 in Mathematik um acht Prozentpunkte. Die OECD nennt als Gründe unter anderem einen kompetenzorientierten Lehrplan, Reformen der Lehrkräfteausbildung und verbindliche Mindeststandards, und sie hält fest, dass die Verbesserungen in der Sekundarstufe auf Fortschritten in früheren Jahrgangsstufen aufsetzten.
Was wir daraus für MatheZeit ziehen

Beherrschung vor Abdeckung. Die OECD leitet aus PISA 2025 ab, weniger Inhalte dafür bis zur tatsächlichen Beherrschung zu behandeln und Lehrplan, Unterricht und Leistungsmessung auf dasselbe Ziel auszurichten. MatheZeit bildet das über ein Kompetenzmodell ab. Der Fortschritt eines Kindes hängt am nachgewiesenen Können, nicht an der Zahl bearbeiteter Aufgaben. Bei einem systematischen Fehler führt das System auf die fehlende Voraussetzung zurück, statt im selben Inhalt weiterzuüben. Warum das mehr ist als leichter oder schwerer, steht in unserem Text über echte Adaptivität.
Unterstützung im Moment des Fehlers. PISA 2022 berichtet, dass Bildungssysteme, in denen mehr Kinder zusätzliche Hilfe durch die Lehrkraft erhalten, über zehn Jahre weniger Mathematikleistung verloren haben, und dass leistungsschwächere Kinder davon besonders profitieren. In Peru, wo sich die Mathematikleistung im selben Zeitraum um 23 Punkte verbesserte, stieg der Anteil der Kinder mit berichteter Zusatzunterstützung um neun Prozentpunkte. In einer Klasse mit 25 Kindern ist das im Einzelfall nicht durchgängig leistbar. Das Tutorsystem Mazio setzt an dieser Stelle an und meldet dem Kind unmittelbar nach dem Fehlversuch zurück.
Hilfen, die das Denken nicht abnehmen. PISA 2022 verbindet kognitive Aktivierung mit besseren Mathematikergebnissen, also das Erklären von Lösungswegen, das Suchen mehrerer Wege und das ausdrückliche Verknüpfen neuer Inhalte mit bereits Gelerntem. Leistungsschwächere Kinder stellen diese Verknüpfung von sich aus seltener her. Die Hilfen in MatheZeit sind deshalb gestuft: zuerst die Rückfrage nach dem, was das Kind schon weiß, dann ein Hinweis, dann ein Teilschritt, erst zuletzt die Lösung. Mazio benennt den erkannten Denkfehler, den letzten Schritt geht das Kind selbst. Wie der Tutor dabei arbeitet und wo seine Grenzen liegen, beschreibt unser Text zum Einsatz künstlicher Intelligenz.
Diagnose, die der Lehrkraft Arbeit abnimmt. PISA 2025 nennt die Entlastung der Lehrkräfte und die gezieltere Unterstützung ihrer Arbeit als zentrale Ansatzpunkte; in Deutschland besuchen 52 Prozent der Jugendlichen Schulen, an denen die Schulleitung den Unterricht durch Lehrkräftemangel beeinträchtigt sieht. MatheZeit gibt deshalb keinen Punktestand aus, sondern benannte Befunde: welche Kinder eine bestimmte Voraussetzung noch nicht sicher beherrschen, welcher Fehler auf eine systematische Fehlvorstellung hindeutet und welcher auf Flüchtigkeit. Grundlage ist ein Katalog von über 5.000 dokumentierten Fehlvorstellungen; wie daraus ein Befund für die ganze Klasse wird, zeigt der Text über wiederkehrende Fehlermuster. Was daraus folgt, entscheidet die Lehrkraft.
Keine Ablenkung, keine Zufallsbelohnungen. Zu PISA 2025 berichtet die OECD, dass leistungsstärkere Jugendliche KI-Werkzeuge eher seltener nutzen und ein günstiger Zusammenhang sich nur bei angeleiteter Nutzung zeigt, die zum eigenen Nachdenken zwingt. PISA 2022 hatte bereits gezeigt, was Ablenkung kostet: Wer sich durch die Geräte der Mitschülerinnen und Mitschüler im Mathematikunterricht zumindest zeitweise abgelenkt fühlt, erreichte 15 Punkte weniger als die übrigen. MatheZeit verzichtet daher auf eine offene Chat-Oberfläche, auf Zufallsbelohnungen und auf Spielelemente, die von der mathematischen Handlung wegführen. Was freigeschaltet wird, hängt am nachgewiesenen Können.
Was PISA nicht zeigt
PISA ist überwiegend eine Beobachtungsstudie. Aus den berichteten Zusammenhängen lässt sich nicht ableiten, dass eine bestimmte Maßnahme eine bestimmte Punktzahl bewirkt. Belastbarer werden die Befunde dort, wo Reform- und Evaluationsdaten hinzukommen, wie im Fall Perus, und dort, wo mit Kontrollgruppen gearbeitet wird.
Für MatheZeit liegt ein solcher Befund vor. In einer randomisierten kontrollierten Studie des Instituts für Mathematik der Europa-Universität Flensburg arbeiteten Kinder der Jahrgangsstufen 3 und 4 sechs Wochen mit der Plattform, während eine Kontrollgruppe regulären Unterricht hatte. Die Interventionsgruppe erzielte einen Kompetenzvorsprung von d = 0,20, was etwa drei bis vier zusätzlichen Lernmonaten entspricht. Was die Untersuchung darüber hinaus zeigt und was sie ausdrücklich nicht zeigt, steht in der ausführlichen Darstellung der Wirksamkeitsuntersuchung. Eine Absicherung über ein volles Schuljahr und über die Lernstandserhebungen der Länder steht aus.